Raum

„The activity of the modern citizen is not an activity of inhabiting, of creation of localities. He is only  a consumer of space. This is a condition of chronic disorientation, of an effective tendency to get lost, to the extent of not being able to distinguish one place from another.“
                                                                  

Franco la Cecla
Architecturally Speaking, 2000




Das Stück liegt begründet im Spannungsverhältnis zwischen physischer und virtueller Welt, zwischen Realität und Fiktion. Da der physische Raum seiner Funktion als sozialer Raum nicht mehr länger gewachsen zu sein scheint, wird der Versuch unternommen, diese in den virtuellen Raum zu übertragen. Der virtuelle Raum gewinnt somit im Verhältnis zum physischen Raum konstant an Bedeutung. Er transformiert diesen und versucht ihn entsprechend den Bedürfnissen unserer Gesellschaft zu optimieren. Im Stück wird diese „Raumverschiebung“ dargestellt und zugleich in Frage gestellt.


Die Herausforderung für die Bühnengestaltung besteht somit darin, zwei Raumebenen – eine physische und eine virtuelle – zu schaffen, und deren Interaktion zu analysieren und darzustellen: Wie verändert sich der physische Raum durch das Hinzufügen einer virtuellen Ebene bzw. was passiert mit dem virtuellen Raum, wenn sich dessen Projektionsfläche (der physische Raum) verändert? Ziel ist es, diese Welten in einer Weise miteinander zu verschmelzen, dass sich die beiden Wahrnehmungsebenen quasi ineinander spiegeln. Je subtiler diese „Raumverschiebung“ des Systems Realität – Fiktion, desto irritierender: Der Zuschauer stellt seine eigenen Wahrnehmung in Frage.


Physische Präsenz der Charaktere im Raum
GRID entspricht dem Gefüge einer Stadt; das Individuum innerhalb einer übergeordneten Gesamtstruktur, räumliche Dichte contra Einsamkeit, Verbundenheit oder Netzwerke contra Normen und Grenzen. Das Stück beschreibt drei Personen, die sich alle in einer Stadt, wenn auch in drei sehr unterschiedlichen Situationen befinden. Die Gestrandete befindet sich an einem Ort, kurz vor der Abreise, also in einem fast transitären Zustand; der Neuanfänger ist nicht auf einen Ort fixiert sondern befindet sich in ständiger Bewegung durch den realen und den virtuellen Raum; der Briefschreiber wiederum befindet sich an einem „geschlossenen“ Ort, in einer Art Isolation. Thematisiert werden also die Opponenten „Innen und Außen“, sowie „Ort und Raum“.


Auf der Bühne sollen entsprechend drei unterschiedliche räumliche Situationen geschaffen werden, die den jeweiligen Gefühlszustand der Charaktere darstellen bzw. deren jeweilige Beziehung zu ihrem Umfeld oder ihre Wahrnehmung dessen. Diese drei sehr unterschiedlichen räumlichen Ausgangssituationen werden im Verlauf des Stückes in Beziehung zueinander gesetzt und repräsentieren somit das Verhältnis der Personen untereinander. Es geht somit schwerpunktmäßig um die Selbstlokalisierung und Orientierung der drei Charaktere im Raum. Ähnlich des Prinzips einer kognitiven Karte muss somit eine wieder erkennbare, räumliche Struktur geschaffen werden, auf die sich sowohl die virtuelle als auch die reale Welt aufbauen lässt.

Julia Rommel, Bühnenbildnerin

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